Zazengi

Ein Kapitel des Shobogenzo, das 1243 von Meister Eihei Dogen geschrieben wurde. Es ist eine genaue Beschreibung der notwendigen Voraussetzungen für die Zazenpraxis und der Körper- und Geisteshaltung.

Zazengi – Regeln für die Zazenpraxis

Für die Sitzmeditation braucht es einen ruhigen Ort. Eine dicke Matte soll ausgebreitet werden. Man soll weder Wind oder Rauch noch Regen oder Feuchtigkeit eindringen lassen, der Raum in dem man sitzt muss geschützt werden. In frühreren Zeiten gab es Beispiele wo man auf einem Diamanten oder auf einem Stein sass, aber immer legte man eine Schicht von Gras darüber. Der Ort, an dem man sitzt muss hell sein, er darf tagsüber oder am Abend nicht dunkel sein. Die Regel schreibt vor, dass der Ort im Winter gemässigt warm und im Sommer kühl ist. Alle Beziehungen müssen aufgegeben werden, man soll sich von allen Sorgen ausruhen. An Gut und Schlecht wird nicht gedacht.
Es handelt sich weder um Bewusstsein noch um Betrachtung. Man soll nicht danach streben, ein Buddha zu werden, und man soll sich freimachen von Sitzen oder Liegen. In der Ernährung soll man sich mässigen. Ohne seine Zeit zu verschwenden soll man es vorziehen, in der Meditation zu sitzen als müsste man auf seinem Kopf ein loderndes Feuer löschen. Der fünfte Patriarch vom Berg Obai widmete sich ausschliesslich der Sitzmeditation. Wenn man sitzt, soll man ein Kasaya tragen und ein Kissen benutzen. Das Kissen wird nicht unter die die ganzen Beine gelegt, (nur) unter die Oberschenkel. So stützt die Matte die gekreuzten Unterschenkel und das Kissen die untere Wirbelsäule. Dies ist die Methode der Buddhas und der Patriarchen für das Sitzen. Man sitzt entweder im Halblotus oder im Lotus. In der Lotushaltung legt man den rechten Fuss auf den linken Oberschenkel und den linken Fuss auf den rechten Oberschenkel. Die Zehen dürfen nicht vom Oberschenkel abstehen oder verschoben sein. In der Halblotushaltung legt man nur den linken Fuss auf den rechten Oberschenkel. Die Robe und das Oberkleid sollen nicht zu eng geschnürt doch säuberlich angeordnet werden. Man legt die rechte Hand auf den linken Fuss und die linke auf die rechte Hand.
Die Daumen berühren sich an den Fingerspitzen. Die beiden Hände so zusammengelegt werden am Körper gehalten. Die Daumen müssen auf der Höhe des Bauchnabels aneinanderliegen. Man muss mit aufrechtem geradem Körper sitzen. Man darf weder nach links noch nach rechts neigen, weder nach vorne noch nach hinten. Natürlich müssen die Ohren mit den Schultern und die Nase mit dem Nabel auf einer Linie sein. Die Zunge soll am Gaumen liegen und die Atmung muss durch die Nase fliessen. Lippen und Zähne müssen geschlossen sein. Die Augen müssen offen sein, weder zuwenig noch zuviel. Sobald Körper und Geist so aufeinander abgestimmt sind, soll man einmal mit leicht geöffnetem Mund durchatmen. Fest und unbeweglich, im Sitzen verankert, denkt man das Nicht-Denken. Wie denkt man das Nicht-Denken ? Ohne zu denken. Das ist die wesentliche Kunst der sitzenden Meditation. Die Sitzmeditation ist keine Meditationsübung. Es handelt sich um den Zugang zur grossen Ruhe und Freude. Es ist die Praxis-Verwirklichung ohne jegliche Beschmutzung.

[Kolofonium:] "Die Regeln der Sitzmeditation", elftes Heft des "Schatz des Auges des Wahren Gesetzes ". Kollektive Anleitung, gegeben im elften (Monat), im Winter, im ersten Jahr des jüngsten Wassersohns und des Hasen der Kangen-Ära im Vihara von Kippô, Bezirk Yoshida, Provinz Etsu.