Shodoka

Einer der vier grundlegenden Texte des Zen, verfasst von Yoka Daishi im 7. Jahrhundert, in China. Der Text zeugt vom Erwachen des Autors, der in einem schlichten und klaren Stil seinen spirituellen Weg beschreibt. Das Shodoka erhielt auch die Bezeichnung : « Mahayana-Sutra, das alle Probleme löst ». Wie erwacht man zum Leben und Tod ? Unsere Buddhanatur verwirklichen, die Erscheinungen vom Ursprung (Ku, Leerheit) aus betrachten, sein eigenes Leben in den Einklang mit der Buddha-Wirklichkeit stellen, dies bedeutet, den Weg zu verwirklichen.

 

Shodoka – Das Lied vom Erwachen

1 – Freund, siehst du nicht diesen Satori-Menschen, der das Betrachten aufgehört hat und nicht mehr handelt ? Er versucht weder die Täuschungen zu entfernen noch die Wahrheit zu finden.

2 – Die wahre Natur unserer Unwissenheit ist Buddhanatur ; unser leerer Körper der Täuschungen ist der Buddha-Körper Dharma-kaya.

3 – Wenn wir den Buddhakörper verstehen, ist nichts mehr. Die ursprüngliche Quelle, unsere eigene Natur ist der reine, wahre Buddha.
 

4 – Die schwebenden Wolken der fünf Skandhas kommen und gehen am Himmel, die Gischt der drei Gifte erscheint und verschwindet auf dem Ozean.

5 – Wenn wir die Wirklichkeit verstehen, gibt es für uns weder Mensch noch Gesetz ; ein einziger Augenblick zerschmettert das schlimmste Karma, das Karma der Hölle. Sollte ich euch durch falsche Rede täuschen, möge mir auf ewig die Strafe der herausgerissenen Zunge widerfahren.

6 – Verwirklicht ihr in einem einzigen Augenblick den Zen des Buddha, so erfüllen sich die sechs Paramita und die zehntausend Übungen in eurem Körper.

7 – Im Traum existieren die sechs Pfade der Täuschungen. Doch wenn wir erwachen, ist da nichts mehr, nicht einmal die tausend Täuschungen.

8 – Es gibt weder Fehler noch Glück, weder Verlust noch Gewinn. In der vollkommenen Ruhe dieser absoluten Erfüllung brauchen wir nichts anzustreben.

9 – Vom Ursprung an wurde nie der Staub vom Spiegel gewischt, doch heute muss dessen Glanz sichtbar sein.

10 – Wer ist Nicht-Denken (Munen) ? Wer ist Nicht-Geboren (Musho) ? Existiert das Nicht-Geborene wirklich, so kann es auch nicht geboren werden.

11 – Frag eine Marionette ob es sinnvoll ist, Verdienste anzuhäufen um Buddha zu finden.

12 – Lass die vier Elemente und versuche nicht mehr zu erfassen. Im absoluten Frieden, in der absoluten Erfüllung, trinke und esse nach Wunsch. Alle Erscheinungen sind unbeständig, alles ist Ku. Genau das ist das grosse und vollständige Satori des Buddha.

13 – Eine genaue Doktrin von höchster Dimension ist das Symbol des wahren Mönchs. Sollte jemand nicht einverstanden sein, wird sich die Doktrin von selbst offenbaren.

14 – Denn was Buddha kennzeichnet ist, die Wurzeln direkt abzuschneiden. Man kann nicht gleichzeitig die Blätter sammeln und die Äste suchen.

15 – Die Menschen wissen nichts vom kostbaren Juwel (Mani). Und doch besitzt es jeder, es ist tief vergraben im Alaya-Bewusstsein.

16 – Das geheimnisvolle Handeln der sechs (Roppan) ist Ku und gleichzeitig nicht Ku. Der leuchtende Schein einer Perle gehört der Welt der Täuschungen und doch gehört er ihr nicht an.

17 – Die fünf Arten der Sicht reinigend kann man die fünf Kräfte erlangen. Nur durch die Praxis kann man dies verstehen. Es ist kaim vorstellbar !

18 – Es ist nicht schwer, den Mond in einem Spiegel zu sehen. Aber unmöglich kann der Mond im fliessenden Wasser festgehalten werden. Wir gehen immer allein, wir gehen immer allein. Auf dem Weg des Nirvana spielen nur die Erfüllten miteinander.

19 – Die Melodie seines Lebens ist klassisch, sein Geist ist rein und sein Gang von natürlichem Adel. Seine Wangen sind eingefallen, seine Kiefer stark, niemand beachtet ihn. Der Sohn von Cakya ist als Armer bekannt. In Wirklichkeit ist seine Erscheinung arm, doch sein Geist kennt keine Armut. Er ist arm, so ist er gewöhnlich in Lumpen gekleidet. Doch besitzt er den Weg und bewahrt diesen unermesslicheb Schatz auf dem Grund seines Geistes. Und dieser unermessliche Schatz ist nie erschöpft, auch wenn man davon Gebrauch macht. So kann er alle davon geniessen lassen, bei jeder Gelegenheit, ohne Sparsamkeit, ewig.

20 – Die drei Körper und die vier Weisheiten kommen in seinem Körper zur Erfüllung. Die acht Einsichten (Satori) und die sechs übernatürlichen Kräfte sind in seinem Geist eingraviert.

21 – Der Erhabene hat das ganze Verstehen in einem einzigen Mal. Der Mittelmässige oder Minderwertige kann wohl viel hören, glaubt aber wenig und hat keine tiefe Wahrheit.

22 – Entledige dich selbst der Lumpen, die diesen Schatz verbergen. Vor den Anderen, gib nicht an mit deiner Frömmigkeit.

23 – Nimm Kritik an und ertrage die Verleumdungen der andern. Am Ende erschöpfen sie sich selbst im Versuch, den Himmel mit einer Fackel in Brand zu stecken. Sie zu hören ist wie süssen Nektar trinken. Er schmilzt sofort und verschwindet im Geheimnis.

24 – Wenn du begreifst, dass die üble Rede Wohltat wird, dann wird sie für dich ein Meister des Weges. Wenn du durch die Kritik nicht jenseits von Freund oder Feind erwachst, wie kannst du dann die grenzenlosen Kräfte (Musho) des Mitgefühls und der Beharrlichkeit (Jinin) erlangen ?

25 – Den Ursprung, das Prinzip vollkommen verstehend kannst du es vollkommen lehren. Zazen und Weisheit (Dhyana und Prajna) verschmelzen miteinander ohne nur auf Ku zu verweilen.

26 – Nicht nur ich habe nun die Klarsicht. Die Buddhas, so zahlreich wie die Sandkörner des Ganges, sind alle von der gleichen Essenz. Die Doktrin der Nicht-Angst ist gleich dem Brüllen des Löwen : es zerschmettert das Gehirn der hundert Tiere, die es hören. Der Elefant verliert trotz aller Kraft seine Würde. Einzig der Himmelsdrache vernimmt diese Stimme mit Zufriedenheit.

27 – Ich habe Ozeane und Seen überquert, ich bin über Berge und Flüsse gegangen, ich habe die Meister aufgesucht, ich habe die Wege gesucht, ich habe Zazen geübt. Und seit ich den Weg zum Berg Sokei gefunden habe weiss ich, dass Geburt und Tod das selbe sind.

28 – Auch Gehen ist Zen, auch Sitzen ist Zen. Ob man spricht oder schweigt, ob man sich bewegt oder ruhig bleibt, der Körper verweilt immer im Frieden. Selbst vor dem gezückten Schwert bleibt der Geist ruhig. Selbst vor dem Gift bleibt der Geist unberührt.

29 – Mein Meister ist dem Buddha Nento begegnet und er ist, vor langer Zeit, Non-Niku Sen geworden.

30 – Viele Male müssen wir leben und viele Male sterben. Leben und Tod folgen unablässig aufeinander in Ewigkeit.

31 – Aufgrund der unmittelbaren Verwirklichung der Nicht-Geburt (Mussho) besteht nicht mehr die Notwendigkeit, sich zu freuen oder zu sorgen über Ehren oder Ungnade.

32 – Sich tief in die Berge zurückziehen, in einer kleinen Einsiedelei leben, unter einer grossen Pinie sitzen, ruhig und gelassen, Zazen üben, heiter und glücklich in der Wohnstatt des Einsiedlermönchs, schlichtes und zufriedenes Leben, wahrhaftige Schönheit.

33 – Wenn ihr erwacht und versteht, dann bedarf es keiner vergeblichen Mühen mehr : nichts gehört zu Ui (die Unbeständigkeit der Erscheinungen).

34 – Die zielorientierte Gabe (Fuse) kann das Glück verleihen, im Himmel wiedergeboren zu werden, jedoch ist das als würde man einen Pfeil in den Himmel schiessen.

35 – Sobald die Kraft des Pfeils erschöpft ist, fällt er auf den Boden, und dies ist Ursache für ungutes Karma in der Zukunft.

36 – Es ist ganz anders als das Stehen unter der Pforte von Muijiso, durch die man augenblicklich in die Buddhadimension eintritt.

37 – Nur die ursprüngliche Wurzel erfassen, sich nicht um die Zweige kümmern, dies ist wie das Einfangen des Mondes in einem reinen Juwel.

38 – Ich kenne nun diesen Schatz der wahren Freiheit, unerschöpflich nicht nur für mich sondern auch für die Andern. Der Mond leuchtet auf dem Wasser des Flusses, der Wind bewegt die Pinien: frischer und reiner Schatten einer langen Nacht. Was ist die Ursache ?

39 – Der Schatz der Vorschriften von Buddha ist auf dem Grund unseres Geistes eingraviert. Nebel und Morgentau, Regen und Dunst sind das Kesa, das unseren Körper bekleidet.

40 – Die Mönchsschale um den Drachen zu rufen und der Stab um den Tiger fernzuhalten. Die Metallringe oben auf dem Stab klirren hell und klar. Schale und Stab sollten nicht bloss in ihrer materiellen Form betrachtet werden. Sie bedeuten, dass man innig der Spur des Buddha folgt und symbolisieren seinen kostbaren Stab.

41 – Nicht die Wahrheit suchen, nicht die Täuschungen abschneiden. Denn ich verstehe klar, dass diese beiden Elemente Ku sind, ohne Form.

42 – Nicht-Form ist weder Ku noch Nicht-Ku, es ist die wahre Form des Buddha. Der Spiegel des Geistes ist rein, nichts verdunkelt ihn ; durch seine Reinheit und Klarheit wiederspiegelt er das ganze Universum.

43 – Das Abbild tausender von Erscheinungen erscheint in diesem Spiegel, dieses vollkommene Juwel hat weder aussen noch innen. Die wahre Freiheit von Ku vertreibt die Beziehung von Ursache und Wirkung, und so ist alles in völliger Verwirrung und Unordnung und bringt schreckliche Katastrophe.
U, die Existenzen aufgeben und nur Ku, die Leerheit bewahren ist ebenfalls eine eine schlimme Krankheit. Es ist als würde man ins Feuer springen, um nicht ins Wasser zu fallen. Die Täuschungen aufgeben und nur die Wahrheit behalten ist Diskrimination, künstliches Gebilde und Nachahmung. Ein Mensch, der dies nicht beachtet und nur der Praxis folgt ist gleich dem, der einen Dieb zu seinem Sohn macht.

44 – Wir vergeuden den Schatz des Dharma und verlieren dessen Wohltaten. Die Ursache dafür ist dieses mentale Bewusstsein, deshalb löst die Zenschule dieses Mentale auf. Unmittelbar ins Satori der Nicht-Geburt eintreten, dies ist die Kraft der wahren Weisheit.

45 – Der aufrechte Mensch ergreift das Schwert der Weisheit. Scharfe Klinge der Weisheit, eine Flamme, so stark wie ein Diamant.

46 – Dieses Schwert kann den Geist aller falschen Gedanken und Auffassungen zerstören, doch es kann ebenfalls unerwartet alle Dämonen schlagen. Die Buddhalehre ist wie die Stimme des Donners, das donnernde Gesetz, der Trommelwirbel. Es breitet eine Wolke des Mitgefühls aus und verströmt honigsüssen Nektar. Die Spuren des Drachens und des Elefanten breiten sich unbeschränkt überall aus, so dass alle Menschen – auch jene, die ein dogmatisches oder litterarisches Satori erlangt haben – erwachen und durch diese Lehre zum wahren Satori kommen. Auf den Gletschern des Himalaya wächst nur reines, unvermischtes Gras. Es schenkt ausschliesslich die Essenz des Geschmacks. Und diesen Geschmack bewahre ich für immer.

47 – Eine einzige Natur beinhaltet alle Naturen, eine einzige Existenz schliesst alle Existenzen in ihrer Gesamtheit ein. Ein einziger Mond wiederspiegelt sich in allen Wassern, alle Spiegelungen des Mondes im Wasser kommen von einem einzigen Mond.

48 – Der spirituelle Körper Dharma Kaya aller Buddhas geht in meine Natur ein. Meine Natur harmonisiert sich mit dem Geist des Tathagata. Eine Weisheit enthält alle Weisheiten. Es gibt weder Form noch Bewusstsein noch Handlung noch Karma.

49 – Während einem einzigen Augenblick entstehen 80'000 Pforten, während einem einzigen Augenblick geht die Ewigkeit zu Ende.

50 – Die Masse sind kein Mass. Wie ist man in Einklang mit unserer wahren Natur ? Nicht kritisieren, nicht loben. Unser Körper ist wie der Himmel. Beide sind grenzenlos.

51 – Wenn du dich nicht von der Stelle rührst bleibst du ruhig. Wenn du nach Kenntnis suchst merkst du, dass du weder verstehen noch erwerben noch verwerfen kannst. Was du nicht erlangen kannst wirst du unbewusst erlangen. Wenn du schweigst, redest du ; wenn du redest, schweigst du. Wenn die grosse Pforte der Gabe (Fuse) offen steht, ist nichts mehr ausweglos.

52 – Auf die Frage welcher Religion ich angehöre antworte ich : die Kraft von Maka Hannya.

53 – Was ist Gut, was ist Schlecht ? Die Menschen können es nicht wissen. Was geht in die richtige Richtung, was geht gegen den Strom ? Selbst der Himmel kann es nicht messen.

54 – Ich habe lange praktiziert und studiert. Dies sind weder leere Worte noch Lügen. Hier hisse ich das Banner des Gesetzes und errichte die wahre Religion. Buddhas wahrhaftige und heilige Nachfolgelinie geht weiter durch den Mönch vom Berg Sokei. Mahakashyapa hat als Erster die Lampe, die Fackel weitergegeben, dann zählte die Geschichte achtundzwanzig Generationen unter dem Himmel Indiens. Über die Ozeane hinweg hat der Zen dieses Land erreicht, Bodhidharma war der Gründer. Sechs Generationen grosser Meister folgten ihm und übermittelten die Robe. Zahlreiche werden nun in der Zukunft den Zenweg erhalten.

55 – Die Wahrheit des Zen braucht nicht verteidigt zu werden. Zudem ist auch der Ursprund der Täuschungen Ku. Aber Existenz oder Nicht-Existenz, wenn diese beiden Standpunkte aufgegeben sind, dann wird Nicht-Ku zu Ku.

56 – Die zwanzig Pforten von Ku haben keine Existenz. Die einzigartige Natur der Tathagatas ist von Ursprung her die selbe für alle Daseinsformen.

57 – Der Geist ist die Wurzel, das Dharma ist der Staub. Beide sind wie der Wiederschein im Spiegel. Ist dieser Staub weggewischt, so strahlt das Licht. Geist und Dharma sind ganz verschwunden und unsere Natur ist authentisch. Ach ! Diese Zeit ist geprägt von der Degeneration des Dharma, die Menschen sind nicht sehr glücklich ; sie sind schwer zu leiten, weit von der Weisheit, von der Heiligkeit entfernt und versinken in falschen Auffassungen. Die Dämone sind mächtig, das Dharma ist schwach und unheilstiftender Hass breitet sich aus. Sie haben die Möglichkeit, die Lehre von der Pforte der wahren Buddhadoktrin zu hören, leider verwerfen sie die Lehre, zerbrechen sie in tausend Stücke wie einen Ziegel und können die ursprüngliche Form nicht wiederfinden.

58 – Die Handlung kommt vom Geist, die Leiden kommen vom Körper, deshalb solltet ihr den andern gegenüber keinen Groll hegen.

59 – Willst du kein endloses Karma auf dich ziehen, dann kritisiere nicht das Rad (die Lehre).

60 – Im Sandelholzwald wächst kein anderer Baum. Nur die Löwen verweilen in diesem dichten, stillen Wald. Und überall in diesem ruhigen Wald vergnügen sich die Löwen sorglos. Alle Tiere der Erde und alle Vögel des Himmels sind geflohen, nur die Löwenjungen folgen den Löwen. Schon als Dreijährige sind sie fähig zu brüllen. Und selbst wenn die Schakale diese Löwen, die Dharmakönige nachahmen wollten, könnten sie die hunderttausen Dämonen nicht daran hindern, ihren Mund frei zu öffnen.

61 – Die wahrhaftige Lehre kann nicht durch den menschlichen Verstand erfasst werden. Aber wenn ihr Zweifel habt, wenn ihr nicht versteht, dann ist es euch durchaus möglich, mit mir darüber zu sprechen. Dies ist nicht eine Meinung, die auf meinem Dogmatismus beruht. Bloss ist zu befürchten, dass unsere Praxis zu den zwei Extremen der Verneinung und der Behauptung hin degeneriert.

62 – Das Negative ist nicht negativ (nein ist nicht nein), das Positive ist nicht positiv (ja ist nicht ja). Wenn wir uns in diesem Punkt irren, sei es um ein Haar, dann entfernen wir uns meilenweit. Wenn es ja ist, kann selbst die Drachentochter plötzlich Buddha werden, wenn es nein ist, kann selbst der Mönch Zensho (« guter Stern ») lebendigen Leibes in die Hölle stürzen.

63 – Was mich betrifft, so habe ich seit meiner Jugendzeit Kenntnisse angesammelt, ich habe die Texte mit ihren Kommentaren sowie die Sutren studiert. Ich habe über Namen und Formen nachgedacht, doch habe ich in diesem Studium keine Ruhe gefunden, denn gewiss ist dies so vergeblich als wollte man in den Ozean gehen, um seine Sandkörner zu zählen. Der Buddha hat es mir vorgeworfen, zu Recht, denn wozu soll es gut sein, die Schätze der andern zu zählen ?

64 – Nun sehe ich wohl, dass ich Wandermönch bis heute jahrelang vergeblich praktizierend auf Irrwegen war. Da ich von nicht sehr leuchtender Natur bin, habe ich mich geirrt und habe nicht verstanden. So hatte ich keinen Zugang zur wahren Buddhalehre.

65 – Der Hinayana gibt sich ganz dem Weg hin (shojin), doch fehlt ihm die universelle Liebe. Intelligenz und Wissen mangeln an tiefer Weisheit.

66 – Dumm und kindisch sind jene, die eine falsche Wirklichkeit in ihrer leeren Faust oder auf ihren Fingerspitzen erschaffen.

67 – Sie erreichen nichts indem sie den auf den Mond zeigenden Finger für den Mond halten. Sie vermischen und verwechseln absichtlich die objektive und die subjektive Welt. Der Mensch, der alle Aspekte umfasst ist Buddha. Er kann wahrhaft Kanjizai (Avalokitesvara) genannt werden.

68 – Wenn die Erleuchtung verwirklicht ist wird das ursprüngliche Karma zu Ku. Ansonsten müssten wir unsere Schulden begleichen.

69 – Wir haben Hunger, und doch essen wir nicht einmal an einer Königstafel. Wenn wir krank sind, dem König der Ärtzte begegnen und doch seine Arznei nicht nehmen, wie wollen wir dann geheilt werden ?

70 – In der Welt des Begehrens müssen wir durch die Kraft der Weisheit Zen praktizieren. Wenn der Lotus im Feuer erblüht kann er niemals zerstört werden. Yuse missachtete eine der wichtigsten Vorschriften, doch erlangte er dann das Satori der Nicht-Geburt und im selben Augenblick wurde er Buddha, und nun existiert er.

71 – Die Lehre, gleich dem Brüllen des Löwen ist ohne Furcht. Jämmerlich, diese dummen und wirren Geister !

72 – Sie verstehen, dass die Missachtung der Vorschriften für die Erleuchtung ein Hindernis ist, aber sie können das Geheimnis der Essenz der Buddhalehre nicht erkennen.

73 – Zwei Mönche hatten das Keuschheitsgebot verletzt und ein Verbrechen begangen. Haris (Upali) Unterweisung vergrösserte noch ihr schlechtes Gewissen. Doch der grosse Yuima wischte ihre Zweifel augenblicklich aus, so schnell wie Schnee und Eis in der Sonne schmelzen.
Die wunderbaren Wirkungen der geheimnisvollen Kraft der Erleuchtung sind so unzählig wie die Sandkörner im Ganges. Weshalb sollen wir die Mühe scheuen, ihm die vier Gaben darzubringen ; zehntausend Goldstücke sind wertlos dagegen.

74 – Und würden wir auch unsere Knochen zu Pulver zermahlen oder unseren Körper in Stücke schneiden, es wäre doch nicht genug, um ihm zu danken. Ein einziges Wort ist jenseits von zehn Milliarden Worten.

75 – Er ist der Dharmakönig, er ist der Erhabenste. Alle Buddhas, so zahlreich wie die Sandkörner im Ganges, zeugen davon. Ich weiss nun was dieses Juwel (Mani) ist, und all jene, die es vertrauensvoll empfangen können Dharmakönige werden. Es gibt nichts zu finden in der Welt des Satori, es gibt weder Mensch noch Buddha. Sogar die unzähligen Kosmoswelten sind Wasserblasen im Ozean. Alle Weisen und Ehrwürdigen sind wie Himmelsblitze.

76 – Möge ein grosser Metallring über meinem Kopf in Drehung kommen, die vollkommene Klarheit von Jo-e bleibt. Möge die Sonne erkalten oder der Mond warm werden, mögen die Dämonen zahlreich sein, die wahre Doktrin bleibt unzerstörbar. Die Karosse des Elefanten rückt langsam auf dem Weg voran, wie könnte die Fangschrecke seinen Rädern den Durchgang verweigern ? Der grosse Elefant spielt nicht auf dem Pfad der kleinen Kaninchen, ein grosses Satori geht über die kleinen Ehren hinaus.
Beurteile die Immensität des blauen Himmels nicht indem du durch einen Strohhalm schaust. Wenn du das Erkennen noch nicht hast, dann werde ich es dir jetzt tiefer bestätigen.